Die Schlange am Kiosk, wo Kinder so dicht beieinanderstehen, dass die Schwimmhilfen quietschen, der Aquapark, der im Kleinformat in Barbies Welt gar nicht weiter auffallen würde, und aufblasbare Flamingos, die das gesunde Selbstwertgefühl von Schwänen ernsthaft gefährden? Vom Tohuwabohu, das in Badeanstalten herrschen kann, sind Gäste inmitten ruhiger Natur mehr als eine Sprungbrettlänge entfernt: In nahezu allen der 1500 Schweizer Seen darf man nicht nur die Füsse schwenken, sondern den Hüpfer in das kühle Nass wagen. Generell ist das in allen Gewässern erlaubt, die durch einen öffentlichen Weg zugänglich sind, andernfalls ist es mit einem Verbotsschild gekennzeichnet.

Von der Grube zum Geheimtipp

Dem Badevergnügen im Naturpool steht folglich nichts im Weg: Zum «Entsocken» kann so der Geschinersee locken. Wer hier, inmitten des Naturidylls im Hochtal Goms, seine Schwimmrunden dreht, käme wohl kaum auf die Idee, dass dieser See künstlichen Ursprungs ist. Das Loch entstand, als man an ebendieser Stelle das Material entnahm, um damit einen Lawinenleitdamm aufzuschütten. Nach drei Jahren Bauzeit verwandelte sich die Grube schliesslich in den glitzernden Geschinersee. Der Geschinerbach speist den rund 400 Meter langen und 60 Meter breiten Badesee, der mit einer maximalen Temperatur von 19 Grad allenthalben Abkühlung bietet – schliesslich kann auch Gänsehaut manchmal Glück bedeuten. Ebenfalls ein Walliser Sammelbecken für Wasserratten, -vögel und vorübergehend verlorene FlipFlops, ist der Gibidumsee (auch Gebidumsee genannt). «Brrr» wird hier indes kaum ein Badegast kreischen: Dank der geringen Tiefe von nur zwei Metern wärmt sich das Wasser rasch auf, das der Suone Heido entspringt.

Ein künstlicher See als Naturwunder: der Geschinersee im Goms. © goms.ch, Christian Pfammater

Karibisch konnotiert

Die Welle der erquicklichen Wonne geht im Wallis weiter – beim Begriff «Inselparadies» denkt man wohl eher an die Seychellen als an Sion, was sich mit der Entdeckung der «Domaine des Îles» flutartig ändert: Das Anwesen am Rand der Stadt im sonnenverwöhnten Rhonetal erstreckt sich über mehr als 54 Hektar. Im Naherholungsgebiet, dessen Herzstück ein kristallklarer Badesee ist, vernimmt man das Schnattern von Badespassvögeln ebenso wie Kinderlachen oder feuriges Brutzeln, untermalt von Libellen-Liedern: Auf dem Gelände befinden sich unter anderem Grillplätze, ein Restaurant, ein Campingplatz, Spielplätze, ein Abenteuerpark und eine Kletterwand inmitten von Pinienwäldern. Doch damit nicht genug der Action: Hier lädt mit «Alaïa Bay» auch das erste Surfbecken in Kontinentaleuropa auf über 8500 Quadratmetern zum Wellenritt inmitten des Alpenpanoramas – und ist damit ein denkbar spektakulärer Surfspot.

Kaum ist der Bikini oder der Neoprenanzug getrocknet, lohnt sich auch ein Abstecher in die Westschweiz, wo allein der Ortsname nach einer Einladung für eine Erfrischung klingt: In Yverdon-les-Bains, am südlichsten Zipfel des Neuenburgersees gelegen, zerrinnt an sonnenverwöhnten Tagen nicht nur die Vanilleglace zwischen den Fingern, sondern auch der Sand zwischen den Zehen. Während Bäume behutsam Schatten auf die Badetücher malen, strahlt der Sand cremebeige und der See ozeanblau – eine Farbpalette, die der Karibik entliehen zu sein scheint.

Erfrischendes Erbe

Wer den Kompass auf Klarwassergenuss ausrichtet, kann sich auch in St. Gallen wiederfinden: Die «Drei Weieren» sind wie Edelsteine, eingebettet in einem grünen Samtbeutel. Im 17. Jahrhundert geschaffen, um die Stadt mit Wasser zu versorgen, sind sie heute ein Naturjuwel für kühlende Auszeiten. Die Jugendstil-Bauten flüstern Geschichten aus einer Zeit, als St. Gallen noch das Herz der Textilindustrie war – und wer diesen lauscht, trägt ironischerweise eben gerade nicht allzu viele Textilien, schliesslich wirkt jeder sanfte Wellengang wie ein Aufruf zum Abtauchen.