Sterzing, die alpine Kleinstadt weit oben im Eisacktal, bezaubert die Gäste mit ihrem unvergleichlichen Charme. Dazu gehören prächtige Bürgerhäuser, malerische Einkaufsstrassen und eine Bergkulisse, die im Sommer wie im Winter viele Feriengäste anzieht. Nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt liegt die Talstation der neuen Rosskopf-Seilbahn. Sie bringt SkifahrerInnen, SnowboarderInnen, Wandernde und andere Naturfreunde auf die Sterzinger Sonnenterrasse in rund 2000 Meter Höhe. Leitner baute die Kabinenbahn 2022 und betreibt sie in enger Zusammenarbeit mit der «Neue Rosskopf GmbH». Diese Partnerschaft steht sinnbildlich für die tiefe Verwurzelung des Unternehmens mit seiner Heimat.

Auch heute arbeiten noch rund 1200 Mitarbeitende in Sterzing, in der zentralen Verwaltung, in Forschung und Entwicklung sowie in der Fertigung von Leitner, Prinoth und Demaclenko. Einer von ihnen ist Maurizio Todesco. In Sterzing aufgewachsen, ist er seit 22 Jahren im Unternehmen tätig. Der ehemalige Journalist leitet die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und hat ein tiefes Verständnis für die Werte und Visionen des Unternehmens. Im Gespräch erzählt der einnehmende und weltgewandte Todesco über prägende Erlebnisse und warum er auch heut noch gerne in Sterzing lebt und arbeitet.

Eröffnungszeremonie bei Peking für ein neues Skigebiet. © Leitner
Maurizio Todesco, haben Sie als gebürtiger Sterzinger auch eine starke emotionale Bindung an Ihren Arbeitgeber?

Der damalige Präsident und heutigen Aufsichtsratsvorsitzende Michael Seeber holte mich 2002 als Leiter Öffentlichkeitsarbeit und persönlichen Assistenten ins aufstrebende Unternehmen. Die Gelegenheit in meine Heimatstadt zurückzukehren, erwies sich als Glücksfall. Als ich bei Leitner anfing, es war kurz nach der Integration von Leitner in die HTI-Gruppe, konnte ich das grosse Wachstum der Gruppe aus einer privilegierten Sicht miterleben. Vor dieser Zeit zählte Leitner rund 700 Mitarbeitende, heute sind es weltweit 5000, davon arbeiten 1200 hier in Sterzing.

Sie begleiteten in Ihrer bisherigen Karriere bei Leitner zahlreiche Projekte auf der ganzen Welt. Welche Erlebnisse bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?

Jede Reise hat mir etwas gegeben. Mit Stolz und Demut erinnere ich mich an 2018, als wir die erste Drei-Seil-Bahn des «Matterhorn Glacier Ride» eröffnet haben. Sie verbindet die Talstation Trockener Steg mit dem «Matterhorn glacier paradise» am Klein Matterhorn. Es war für Leitner, aber auch für mich persönlich, eines der grossen Highlights im Seilbahnbereich. Alles war an diesem Projekt aussergewöhnlich; die einmalige Zermatter Berglandschaft, die Komplexität der Baustelle auf 4000 Metern Höhe. Wenn ich mit Journalisten die Bauarbeiten besuchte, waren alle tief beeindruckt von den Arbeitern, die in diesem Hochgebirge unter teilweise extremsten Wetterbedingungen Höchstleistungen vollbrachten.

2009 wurde im indischen Chennai eine neue Leitner-Produktionsstätte für Windkraftwerke eingeweiht. © Leitner
Sie begleiteten zahlreiche Projekte vor Ort, waren auch in fernen Ländern in anderen Kulturkreisen. Können Sie uns Erlebnisse und Begegnungen schildern, die Sie besonders prägten?

Die Zusammenarbeit mit Partnern aus anderen Kulturen erlebe ich oft als herausfordernd, aber immer sehr bereichernd. Gegen Ende der 2000er-Jahre errichteten wir in China, in der Nähe von Peking, ein komplett neues Skigebiet mit zwei Seilbahnen und einer grossen Talstation. Wir schickten auch Skilehrer und Skiexperten nach China, unter ihnen den ehemaligen italienischen Weltcup-Fahrer Erwin Stricker. Bei der Eröffnung war der Südtiroler Landeshauptmann anwesend, unsere Sterzinger Werkskapelle spielte Südtiroler Blasmusik mit Märschen und Polkas. Die Chinesen beeindruckten mit einem Heer an Trommlern und Tänzerinnen und Tänzern in bunten wehenden Trachten. Das visionäre Projekt, die Begegnungen mit den Menschen und die kulturellen Gegensätze werde ich nie vergessen.

Sie waren zur Eröffnung einer Produktionsstätte für Windkraftanlagen auch in Indien. Wie haben Sie dieses Projekt erlebt?

Mit der Produktionsstätte im südindischen Chennai setzte Leitner 2007 ein Zeichen für die strategische Ausrichtung in aufstrebende Märkte. Der Bau dieses Werks war für uns auch ein wertvoller interkultureller Lernprozess, präzise Südtiroler Ingenieurskunst traf auf indische Dynamik. Verschiedene Arbeitskulturen, Führungsstile und andere kulturelle Unterschiede mussten aufeinander abgestimmt werden. Es war ein Austausch, der nicht nur technische, sondern auch wertvolle menschliche Brücken schlug.

Medellin, Kolumbien: Urbane Seilbahn transportiert Millionen von Menschen. © Leitner
Zum Schluss noch eine Frage zur Zukunft der Seilbahnen. In welche Richtung werden sich die Anlagen entwickeln?

Bei den Winterseilbahnen sind wir bezüglich Komfort und Kapazitäten auf einem Top-Level. Die Fahrt auf den Berg in den geräumigen, rundum verglasten Kabinen gehört bereits zum Tageserlebnis. Zudem ermöglicht die technische Entwicklung heute den Bau von Seilbahnen, aber auch von Pistenfahrzeugen und Beschneiungsanlagen, die nachhaltiger, ressourcenschonender und effizienter betrieben werden können. Und es gibt noch einen weiteren Trend im Seilbahnbau.

Erzählen Sie bitte!

Bei der Unternehmensgruppe HTI wächst der Bereich urbane Seilbahnen stark – speziell in Mittel- und Südamerika, aber auch in Asien. Dort sind die gesetzlichen Bestimmungen betreffend Überflug weniger streng als bei uns. In Medellin, Kolumbien bauten wir zum Beispiel sechs urbane Seilbahnen, in Mexiko City und Umgebung insgesamt 48 Kilometer. Solche Anlagen revolutionieren die städtische Mobilität und befördern Millionen von Fahrgästen. Sie bieten als öffentliche Transportsysteme eine sehr effiziente Lösung. Der Personentransport in luftiger Höhe braucht wenig Platz, kann jedes Hindernis überqueren und ist vergleichsweise schnell und kostengünstig gebaut.

Mexico City: Leitner baute hier 48 Kilometer städtische Seilbahnen. © Leitner
Sie haben viele Orte der Welt bereist, sind aber immer noch in Sterzing zu Hause. Wurde es Ihnen hier, in dieser kleinen Stadt, noch nie zu eng?

Ich wohne hier in einer wunderbaren Bergwelt, wo andere Menschen Ferien machen. Gleichzeitig habe ich das Glück, in der ganzen Welt unterwegs zu sein. Klar ist Sterzing im Vergleich zu den pulsierenden Weltstädten klein und manchmal langweilig – aber der Mix aus beiden Welten gefällt mir.