Zwischen Berg und Tal
Leben mit den Jahreszeiten: Im Montafon (Vorarlberg) bestimmt seit jeher das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Natur das Leben.

Leben mit den Jahreszeiten: Im Montafon (Vorarlberg) bestimmt seit jeher das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Natur das Leben.

Über Jahrhunderte formte die Dreistufenlandwirtschaft den Jahreslauf der Bauernfamilien. Diese traditionelle Bewirtschaftung prägte eine vielfältige Kulturlandschaft aus Wiesen, Weiden und charakteristischen Maisässen auf 1200 bis 1600 Metern Höhe. Auf Letzteren verbrachte man im Frühling und Frühsommer einfache, arbeitsreiche Wochen, bevor es im Hochsommer weiter auf die Alp ging. Während die Sennen dort Käse produzierten, wurde weiter unten das Heu mühsam auf steilen Flächen eingebracht. Mit dem Herbst begann der Abtrieb zurück ins Tal. Der natürliche Kreislauf des landwirtschaftlichen Jahres schloss sich wieder.
Auch wenn diese Form der Landwirtschaft heute nicht mehr in voller Ausprägung existiert, lebt ihr Geist weiter. Die Alpen werden weiterhin bewirtschaftet. Besucher können vor Ort die Herstellung regionaler Spezialitäten erleben, allen voran den einzigartigen «Montafoner Sura Kees». Hinter diesem Sauerkäse liegt eine lange Handwerkstradition, die besonders zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert blühte. Das lokale Wissen überdauerte indes die Epochen, und seit seinem Comeback ab den 1990er-Jahren wird der Magerkäse mit dem intensiven Geschmack wieder vermehrt produziert und angeboten. Wer das Montafon heute besucht, entdeckt auf Wanderwegen, Bike-Routen und Klettersteigen aber auch andere Spuren der alpinen Kultur im Gelände: alte Alpsteige, sonnige Hänge mit kleinen Siedlungen und gepflegte Wiesen. Bewegung gehört hier seit jeher zum Alltag und macht Landschaft, Tradition und Jahreszeiten unmittelbar erlebbar.

Mehrere Themenwege im «Alpenmosaik Montafon» lassen diese Geschichte lebendig werden. Der Montafoner Steinschafweg erzählt beispielsweise von der widerstandsfähigen Schafrasse, die einst fast verschwand. Auf der knapp zehn Kilometer langen Tour ab St. Gallenkirch können Wanderlustige die Weiden der perfekt ans Gebirge angepassten Tiere erkunden. Der Au- und Wiesenweg zeigt derweil die über Generationen geformte Tal-Landschaft mit Höfen, Gärten und Weiden. Die eineinhalbstündige Runde beginnt ebenfalls in St. Gallenkirch, um dann erst dem Ufer der Ill zu folgen. Es folgen schattige Waldpassagen, bevor es auf der Sonnenseite des Tals zurück zum Ausgangspunkt geht. Ebenfalls einen Abstecher wert ist der Siedlungsgeschichteweg. Hier erfahren Neugierige, warum das Montafon früh besiedelt wurde und wie Menschen über Jahrhunderte mit den Bergen lebten. Auf der anspruchsvollen Ortsrunde oberhalb von Bartholomäberg fasziniert aber auch der Blick auf die Gipfel des Rätikon.

Neben den Themenpfaden warten viele weitere spannende Routen. So vermittelt der Talweg Schruns – St. Gallenkirch die enge Verbindung von Siedlungen, Landwirtschaft und Wasserkraft entlang der Ill. Der «Vier Barga Weg» macht oberhalb der Baumgrenze die Tradition der Alpenbewirtschaftung erlebbar, während der «Alpgues Rundweg» im Europaschutzgebiet Verwall eine nahezu unberührte Natur mit Seen, Mooren und Lärchenwäldern zeigt. So erzählt das Montafon bis heute von einem Leben im Rhythmus der Jahreszeiten – einer Lebensweise, die Landschaft, Kultur und Menschen geprägt hat und in noch immer spürbar ist.

