Mit dem eBike durch den Naturpark Jura Vaudois

Der regionale Naturpark Jura Vaudois erstreckt sich vom Gipfel La Dôle bis zum mittelalterlichen Städtchen Romainmôtier. Im Norden liegt das wildromantische Vallée de Joux und im Süden weichen die Wälder pittoresken Dörfern am Fusse des Juras mit herrlichem Blick auf den Genfersee. Ideal für eine Entdeckungstour mit dem eBike.

Einsame Wälder, mystische Moore, zerklüftete Karstfelsen, Lichtungen und von Trockensteinmauern umsäumte Weidelandschaften machen den Reiz des regionalen Naturparks Jura Vaudois aus. Ein gut markiertes Wegnetz von 523 Kilometern sind  besonders attraktiv für Wanderer und Velofahrer – wir entscheiden uns für eine dreitägige Tour mit dem eBike und starten im Vallée de Joux. Die besondere Lage, interessante Geologie und aussergewöhnliche klimatische Verhältnisse prägen die Landschaft am abgeschiedenen Lac de Joux, dem grössten See im Jura. Ausgedehnte Wälder, Weiden und Seen verleihen der Gegend etwas Nordisches. In Le Sentier nehmen wir unsere eBikes in Empfang. Schon beim ersten steilen Anstieg von Le Sentier hoch zum Col du Marchairux sind wir dankbar für diese Unterstützung. Bei einem ersten Halt auf der Alm Pré de Bière besichtigen wir die Alpkäserei und geniessen einen leckeren Imbiss mit Produkten des Bauernhofes.

Parc Jura vaudois(c)Schweiz Tourismus (3)
Parc Jura vaudois(c)Schweiz Tourismus (3)

Kälter als La Brévine

Nach der Mittagsrast fahren wir weiter durch die von Wald- und Alpweiden geprägte Juralandschaft und entdecken dabei die geheimnisvolle und grazile Combe des Amburnex, ein Juwel des Parks. Diese Talsenke verläuft zwischen dem Vallée du Joux und der ersten Jurakette. Ihre Trockensteinmauern und Flachmoore sind eine wahre Augenweide. Hier findet man eine Vielzahl geschützter, seltener Pflanzen, wie zum Beispiel den Goldblumigen Steinbrech. Die Combe des Amburnex steht zwar weniger im medialen Fokus als La Brévine, könnte dessen Kälterekorde jedoch deutlich unterbieten: In botanischen und geologischen Fachpublikationen wird denn auch auf ihr Potential für extrem tiefe Temperaturen hingewiesen.

So ein Käse

Unterwegs kommen wir immer wieder an Alphütten vorbei, welche den zertifizierten Alp-Greyerzer AOP auf traditionelle Weise herstellen – insgesamt 18 Chalets produzieren den beliebten Käse nach überliefertem Rezept. Ebenfalls aus dem Vallée de Joux stammt der Vacherin Mont-d’Or, welcher zwischen September und Ende Winter hergestellt wird – man erkennt ihn an seiner charakteristischen Fichtenholzschachtel. Rohstoff für diesen schmackhaften Weichkäse ist die Rohmilch von Kühen, die auf 700m Höhe weiden. Der Käse wird geformt und gepresst, bevor er rund drei Wochen im Keller gelagert wird.

Vom Gefängniswärter zum Hüter der Wildtiere

Nach einer flotten Abfahrt landen wir in Le Vaud, wo wir den Tierpark «La Garenne» besuchen. Rangerin Stephanie Massy empfängt uns stilgerecht gekleidet mit einer langen wippenden Feder am Hut. Die aufgestellte, engagierte junge Frau erzählt uns von den Ursprüngen dieses besonderen Tierparks. Der ehemalige Gefängniswärter Erwin Meier fing 1965 an, verletzte Wildtiere bei sich im Garten aufzupäppeln. Bald machte es die Runde, dass kranke Tiere bei ihm Unterschlupf fanden. Das Ziel war seit jeher, die Wildtiere zu pflegen und möglichst wieder auszuwildern. Der Zoo de la Garenne hat sich stetig weiterentwickelt und ist so sehr gewachsen, dass er 2016 vollständig neu aufgebaut wurde. Heute bietet das Refugium für verletzte Tiere auf einer Fläche von 3 Hektaren einzigartige Begegnungs- und Beobachtungsmöglichkeiten. Nach diesem spannenden Besuch schwingen wir uns ein letztes Mal auf den Sattel und fahren weiter nach Arzier-Le Muids wo die erste Tagesetappe in der Auberge de L’Union endet.

Valléee de Joux VTT(c)D Carlier
Valléee de Joux VTT(c)D Carlier

Dem Jurafuss entlang nach Romainmôtier

Am nächsten Tag nehmen wir das hügelige Gelände des Naturparks Jura Vaudois in der Region von Morges unter die Räder. Die kleinen Strassen eignen sich ideal zum Radfahren. Beim Durchfahren der malerischen Dörfer am Fusse des Juras geniessen wir eine einmalige Sicht auf die Alpen und den See. Diese Etappe bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten und ein kurzer Halt lohnt sich immer wieder. So zum Beispiel in Marchissy, wo die zweitgrösste Linde der Schweiz neben der Dorfkirche steht. Oder beim kleinen «Waadtländer Versailles», dem Château de l’Isle mit seinem lauschigen Wasserbecken. Viele der historischen Monumente gehen aber viel weiter zurück auf die Zeit der Cluniazenser. Am Mittag kehren wir in Montricher bei Chef Frédéric Simond in der Auberge aux Deux Sapins ein. Er ist Botschafter des Regionalen Naturparks Jura Vaudois und verwöhnt seine Gäste mit lokalen Spezialitäten. Sein Cheesecake «décomposé» mit Aprikosen hat es uns besonders angetan. Anschliessend führt unser Weg weiter Richtung Romainmôtier durch Felder, Wälder und kleine Dörfer soweit das Auge reicht.

Romainmôtier

Nach einer letzten Abfahrt erreichen wir unser heutiges Tagesziel, das pittoreske Romainmôtier. Hier steht das älteste romanische Kloster der Schweiz. Die Abteikirche wurde im 10. Jahrhundert von Cluniazenser-Mönchen nach den Plänen der Kirche von Cluny errichtet und ist zweifellos eine der kostbarsten Perlen der Region. Das idyllisch gelegene mittelalterliche Städtchen hat aber noch einiges mehr zu bieten, wie unsere kulturelle Führerin Monique Chevalley zu berichten weiss. So erfahren wir auf einem geführten Rundgang zahlreiche Anekdoten zu diesem geschichtsträchtigen Ort und entdecken verborgene Winkel. Unbedingt zu empfehlen ist eine Einkehr im Maison du Prieur, wo der umtriebige Berner Ulrich Indermühle mit seinem Team in den historischen Gemäuern das «Café du Prieur» führt. Die eindrücklichen und geschichtsträchtigen Räume kann man auch mieten. Zum Beispiel für ein Ritterfest mit Spanferkel oder eine illustre Hochzeitsfeier. Stilvoll übernachtet wird im B&B La Maison Junod, wo sechs thematische, liebevoll eingerichtete Zimmer zur Verfügung stehen.

(c) Parc Jura vaudois
(c) Parc Jura vaudois

Zu Besuch beim Schafbauer

Die letzte Etappe durchquert das wilde Nozon-Tal, bevor sie ins Vallée de Joux zurückführt. Unterwegs sind wir froh, unsere Batterie über Nacht aufgeladen zu haben – so lassen sich die beträchtlichen Steigungen problemlos meistern. Wir nehmen nicht den direkten Weg, sondern machen noch einen Abstecher zur Bergerie du Petit-Boutavant. Dort betreibt Luc Rempe mit seiner Familie eine Schäferei in völligem Einklang mit Tier und Natur. Aus der Milch von rund 80 Schafen machen die Rempes zwanzig verschiedene Käsesorten und auch Joghurts. Die gastfreundliche Familie lädt uns auf einen Kaffeeplausch in ihre Küche ein und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen, bevor wir uns auf den letzten Abschnitt unserer Tour machen.

Zurück im Tal der Zeit

Die Strecke zurück ins Vallée de Joux bietet wunderschöne Panoramen auf Genfer- und Neuenburgersee; später belohnt einen der Blick auf den Lac de Joux für die Anstrengungen, welche sich eBike sei Dank in Grenzen hielten. Am Seeufer entlang fahren wir durch das Tal der Uhrmacherkunst: In der sanft hügeligen Landschaft herrscht angenehme Beschaulichkeit; fast so, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. In Le Sentier angekommen, ist es Zeit, unseren liebgewonnenen Drahtesel abzugeben und die Heimreise anzutreten.

Regula Zellweger

www.myvaud.ch / www.parcjuravaudois.ch

 

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