Von … nach …» – was bei den jeweils drei Pünktchen stehen könnte, war noch selten so variabel. Ähnlich verhält es sich mit «via …»; Zwischenhalte sind nach Belieben einzulegen. «Was, wo, wie bitte?», mag man sich nun fragen. Na, so leicht ist Einsteigen, wenn man den «Matterhorn Gotthard Pass» im Reissverschlussfach des Rucksacks weiss. Und das Abenteuer beginnt mit einem hellen: Krrr-pfft-zack! Dann, wenn man die blassrosa Kartonkarte am knallorangen Stempelautomat entwertet.

R43, 12.20 Andermatt

Aller Anfang macht Andermatt: Ab Brig saust der rote Regio-Express mitten durch fantagelbe, flokatihafte Felder in die Walliser «Höger» und in das Urner Bergdorf im Urserntal, das zwei Lesearten zulässt: Das neue Quartier Reuss haut selbst architektonisch Anspruchsvolle aus den Sportsocken. Hingegen ahnen die historischen Holz- und Rokokohäuser im Ortskern ebenso wenig vom angrenzenden Hyperdorf wie davon, dass sie von nationaler Bedeutung sind. Als Idyll zwischen diesem Neo-Charme und der Nostalgie erweist sich das Mundart Café mit verborgenem Gärtchen.

R45, 13.39 Acla da Fontauna

Nach Toast und Tee sitzt man im Zug, der sich über den Oberalppass windet, den noch Schneeflecken schmücken. «Wie eine Kuh!», lacht die Frau im Abteil und blickt gebannt durch das Zugfenster auf das Landschaftsmuster. Mit Wildfremden giggeln? Das geschieht fast nur im öV. Kurve um Kurve nimmt die Bahn mit der Gelassenheit eines Stammgasts, der den Weg selbst im Dunkeln fände.

Angekommen im bündnerischen Acla da Fontauna, der Zwischenhaltestelle der 1000-mm-Furka-Oberalp-Linie, sticht man (noch) festen Schrittes Richtung «La Pendenta». Gleich neben dem Mineralienmuseum und der Kirche Sontga Gada (gut für alle, die in Stossgebeten Mut finden …) schwebt die längste Hängebrücke des Kantons filigran wie eine Spinnwebe rund 100 Meter über dem Vorderrhein. Danach: nach Disentis dislozieren. Es wäre naheliegend, das Kloster zu besuchen, aber man folgt doch dem süssen Einspruch gegen jede Form von Askese: Bündner Nusstorte, die man im Café der Bäckerei Goldmann auf der Terrasse mit karierten Tischtüchern verschmaust. Den Fokus auf der Füllung, vergisst man glatt den Fahrplan. Keine Knacknuss dank dem MGPass, so bewältigt man eine Etappe retour nach Sedrun spontan mit dem Postauto.

Blick vom Zugfenster aus: der Dorfkern von Andermatt. © Daniela Dambach

R43, 12.53 Fiesch

Apropos Timing: Der frühe Vogel fängt den Wurm? Klar, der dürfte proteinreich sein, doch bevorzugt unsereins Porridge vom Frühstücksbuffet des «Radisson Blu». Wer spät dran ist, nimmt einfach den nächsten Zug nach Fiesch. Aber vorerst bewegt man sich aus eigener Kraft fort: Die rund 80-minütige Wanderung nach Göschenen folgt der reissenden Reuss durch die Schöllenenschlucht und über die Teufelsbrücke, deren Bau der Legende nach nur dank eines Pakts mit dem Teufel gelang. Verinnerlicht man die Virtuosität der Viadukte, ist begreiflich, dass die Menschen vor Jahrhunderten eher an übernatürliche Kräfte als an Ingenieure glaubten. Was man vom Zug aus als blosse Infrastruktur wahrnimmt, entfaltet aus der Fussgängerperspektive eine ungeahnte Wucht, unterstrichen von den ungewöhnlich vielen Schmetterlingen, die über den Weg flattern. Und dann taucht auf der Steinbrücke rot leuchtend ein Zug auf – ehe man sich versieht, hebt man die Hand zum Gruss.

09.11 Bellwald Bergstation

Grüssen tut man sich auch in der kleinen, klapprigen Gondel, die sich von Fürgangen nach Bellwald schiebt, dem Ort, für den es schlicht keinen passenderen Namen gäbe. Die Zeit hat allen erdenklichen Charme in die Chalets eingekerbt: Die Stadel und Speicher aus sonnenverbranntem Lärchenholz, welche die Gassen verwinkeln, bilden eines der am besten erhaltenen historischen Dorfbilder des Wallis. Kerben hinterlassen auch die Biker auf den fünf flowigen Trails, die sich über die Hänge schlängeln. Weniger Spurenziehen als Spurenlesen ist das Wandern: Talwärts kommt man mit weissen Geissen ins Gespräch, Halme kitzeln in den Kniekehlen und Vögel pfeifen einem nach, während man über Wiesen und durch wurzelige Wälder walkt.

Wieder im Waggon nach Brig erklingt zwischen den Weilern wiederholt ein ganz anderer Ton: «Nächster Halt auf Verlangen.» Oh ja, man spürt es: Dieses Verlangen nach Halt, um auszusteigen, auszuatmen, auszuschwärmen – und dann leicht wieder einzusteigen.

Der Matterhorn Gotthard Pass in Kürze

100 % Rabatt auf Bus und Bahn, 50 % auf Bergbahnen und Aktivitäten: Der Matterhorn Gotthard Pass (ehemals ErlebnisCard) erschliesst ein riesiges Erlebnisgebiet im Oberwallis, in den Ferienregionen Andermatt und Diesentis-Sedrun sowie Kandersteg.

www.mgpass.ch