Wassertropfen funkeln wie Diamanten in der sommerlichen Sonne. Mit leisem Plätschern tauchen die Paddel in die träge dahinfliessende Altmühl, den langsamsten Fluss Bayerns. Ein Tagesausflug oder mehrere Tage mit dem Kanu auf der Altmühl verspricht Abenteuer und Spass. Erlen und Weiden säumen das dicht bewachsene Ufer und breiten ihre Äste über das Wasser aus. Man wähnt sich fast ein wenig im Dschungel. Im Uferbereich tummeln sich Wasservögel; eine Wasseramsel ist auf Futtersuche, Bachstelzen hüpfen herum. Eine Bisamratte huscht über die Uferböschung und verschwindet blitzschnell. Geschmeidig schlängelt sich eine Natter durch das Wasser. Startet man zur Kanutour in Pappenheim, sind es ungefähr sieben Kilometer bis zum Kanuzentrum «Aktiv Mühle» in Solnhofen. Hier lädt ein lauschiger Biergarten zum Pausieren ein. Jeden Sommermittwochabend gibt es hier Livemusik. Zur Aktiv Mühle gehört ein Gasthaus und ein Campingplatz, der sich auf der Insel inmitten der Altmühl befindet.

In der Jurazeit geboren

Kurz nach Solnhofen paddelt man an den mächtigen Felsformationen «Zwölf Apostel» vorbei, die vor 150 Millionen Jahren aus Meeresablagerungen und Muscheln des flachen Jura-Meeres gebildet wurden. Deshalb gibt es hier viele Fossilienfunde und noch heute wird zwischen Solnhofen und Eichstätt Jurakalk abgebaut. In dieser Region wurde das berühmteste Fossil der Welt, der Ur-Vogel Archaeopteryx, entdeckt. Diese Entdeckung lieferte wichtige Argumente für Darwins Evolutionstheorie. Einer dieser Funde ist im Jura-Museum Eichstätt ausgestellt. Grosse und kleine Entdecker suchen mit Hammer und Meissel im Steinbruch auf dem Blumenberg in Eichstätt oder im Hobbysteinbruch Solnhofen selber nach Versteinerungen. Von Solnhofen sind es ca. sieben Kilometer mit dem Kanu bis zur Hammermühle, wo sich eine Bootsrutsche befindet, die Spass und Abenteuer verspricht. Mit Schwung und viel Geschrei fahren mutige Kanuten die Rutsche hinunter. Sie bekommen ein paar Spritzer ab, bevor das Kanu wieder in ruhiges Gewässer gleitet.

Facettenreiche Altmühlstadt: Eichstätt mit Sicht auf den Rathausturm. © Esther Wyss

Architektonische Kontraste

Die Stadt Eichstätt mit knapp 14’000 Einwohnern bietet architektonische Überraschungen. Auf einem Altstadtbummel beeindrucken die prächtigen, dreistöckigen Barockbauten. Während des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Eichstätt fast vollständig zerstört. Unter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell wurde die Stadt dank billigem Bauland und gratis Baumaterial im prächtigen Barockstil wieder aufgebaut. Neben den imposanten Barockbauten befinden sich die massiven, gedrungenen, schnörkellosen Jurahäuser. Sie sind mit dicken Mauern aus Bruchsteinen erbaut oder als Fachwerkhaus mit relativ kleinen quadratischen Fenstern. Die Dächer sind mit den regionalen Kalksteinplatten gedeckt und haben deshalb eine flache Neigung von höchstens 30 Grad. Diese Dachlandschaft kommt nur im Altmühltal vor und ist ein Kulturerbe von europäischem Rang.

In die Geschichte eintauchen

Der beeindruckende Eichstätter Dom geht auf den Gründungsbau des heiligen Willibald zurück, der im 8. Jahrhundert die erste Steinkirche errichtet haben soll. Der Dom wurde mehrmals erweitert und umgebaut. Nach der letzten Renovierung wurde der Dom vergangenes Jahr wieder eröffnet. In den engen Gassen finden sich an jeder Ecke schicke Cafés, gestylte Bistros und Einkehrmöglichkeiten. Sehenswert ist das Jura-Museum auf der Willibalds Burg, die hoch über Eichstätt thront. Vor 150 Millionen Jahren ähnelte das Altmühltal einer tropischen Lagunenlandschaft mit Riffen und kleinen Inseln, die damals von Fischsauriern, Korallenfischen, Krebsen, Insekten und Flugsauriern bevölkert wurde. Die ausgestellten Fossilien lassen diese Welt wieder lebendig werden. Vom Turm der Burg bietet sich ein fantastischer Blick auf die Stadt und das Umland.

Fossilien sehen und selbst suchen rund um Eichstätt. © Naturpark Altmühltal, Dietmar Denger

Nach einem ausgedehnten Spaziergang lohnt sich zur Erholung der Besuch der schön gestalteten Kneippanlage, die direkt an der Altmühl liegt. Sie wird vom Kapellbach mit acht Grad kaltem Wasser gespeist. Auf einer Infotafel erhalten Besuchende Tipps zum richtigen Kneippen. Kneippgesundheitstrainerin Edeltraud Meier demonstriert einfache Anwendungen, die in den Alltag integriert werden können. Gäste, die im Storchengang durch das eiskalte Wasser waten, spüren schon bald die belebende Wirkung. Direkt neben der öffentlich zugänglichen Kneipp-Anlage befindet sich ein Kinderspielplatz.

Per Pedes

Ein Highlight für Wandernde ist der Altmühltal Panoramaweg: Dieser erstreckt sich über 200 Kilometer von Gunzenhausen bis nach Kelheim. Unterwegs entdeckt man Burgen und Schlösser sowie historische Städte und bauliche Zeugen der römischen und keltischen Geschichte. Für Weitwandernde ist der Weg in 15 Etappen eingeteilt. Alle Etappen können aber auch einzeln oder verkürzt begangen werden. Zudem gibt es sogenannte Schlingen- oder Rundwege, die immer zum Ausgangspunkt zurückführen. Man wandert auf schmalen Trampelpfaden durch Wacholderheiden, lichte Buchenwälder und Trockenwiesen, deren Blütenpracht Insekten und bunte Schmetterlinge anzieht. Die reifen Wachholderbeeren schmecken herb und bitter. Entlang des Weges gibt es Picknick- und Spielplätze. Ein besonderes Vergnügen für alle garantiert eine Riesenschaukel.

Wacholderheiden, Wälder und Fels: unterwegs auf dem Panoramaweg. © Esther Wyss

Römische Zeitzeugen

Der abwechslungsreiche Weg führt wellenartig hinauf und hinunter. Es gibt knackige Aufstiege und im Tal wandert man durch schmucke Dörfer. Von Kipfenberg geht es steil durch das Naturschutzgebiet Arnsberger Leite mit den auffallenden Dolomitenfelsen und den trockenen, mageren Hängen. Seit 2016 «mähen» hier Steinschafe und Angoraziegen, ohne die das Naturschutzgebiet verbuschen würde. Wandert man vom kleinen Ort Römer Castell auf dem Panoramaweg in Richtung Kipfenberg, stösst man im Wald auf das UNESCO-Welterbe, den Obergermanisch-Rätischen Limes, der mitten durch den Naturpark Altmühltal verläuft. Er wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. als Grenz- und Schutzwall des römischen Reiches gegen germanische Stämme gebaut. Folgt man dem Verlauf des Limes, kommt man an den Grundmauern eines römischen Wachturms, einem wieder aufgebauten hölzernen Wachturm und einer nachgebauten Palisade vorbei. Diese Zeitzeugen geben einen Einblick in die damalige militärische Strategie der Römer.

Der «Tatzlwurm»: eine der längsten Holzbrücken Europas. © Esther Wyss

Für Velo-Fans

Der gut ausgebaute Radweg Naturpark Altmühltal gehört zu den Klassikern unter den Fahrradwegen und bringt Velo-Fans zum Schwärmen. Zudem punktet dieser mit einem sanften Verlauf. Die Route ist 253 Kilometer lang und führt von Rothenburg o.d. Tauber bis nach Kelheim. Die letzte Etappe von Beilngries nach Kelheim führt entlang der Altmühl, später dem Ludwig-Main-Donau-Kanal entlang, vorbei an stillgelegten Schleusen und niedlichen Schleusenwärterhäuschen. Die letzten 34 Kilometer fährt man dem Main-Donau-Kanal entlang, vorbei an der Schleuse bei Riedenburg-Haidhof. Bei Essing passiert man den Tatzelwurm, eine der längsten Holzbrücken Europas, die sich elegant über den Main-Donau-Kanal schwingt. In Kelheim lohnt sich der Besuch in «Schneiders Weisses Brauhaus», der ältesten Weissbierbrauerei Bayerns, die in der siebten Generation geführt wird.

Durch den Donaudurchbruch bis zum Kloster Weltenburg. © stock.adobe.com, Sina Ettmer

Ein weiterer Höhepunkt der Region ist die Fahrt mit einem Ausflugsschiff von Kelheim durch den Donaudurchbruch bis zum Kloster Weltenburg. Weil in dieser Benediktinerabtei seit 1050 Bier gebraut wird, gilt sie als die älteste Bierbrauerei der Welt.

www.tourismus.bayern
www.naturpark-altmuehltal.de