Es grunzt und schmatzt aus dem Busch, es knacken die Schneckenhäuser und Insektenpanzer unter den spitzen Zähnchen. Die sommerliche Fressorgie klingt nicht sehr appetitlich. Doch dem Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) verzeihen wir seine abendlichen Lärmemissionen gerne – die runde Stachelkugel ist einfach zu knuffig, um uns zu stören. Seine Beliebtheit hilft dem Kulturfolger zweifellos im Säugetier-Alltag. Man hilft dem Igel über die Strasse, Freiwillige pflegen ihn bei Verletzungen, er bekommt eigene Hüttchen aufgestellt und so mancher füttert ihn gar durch (wovon ExpertInnen allerdings abraten). Also alles in Ordnung im Reich der spitzen Nasen? Nicht ganz: Mittlerweile gilt der Igel in der Schweiz als «potenziell gefährdet».

Der Ruf der Stadt

Ein Reich vom gesamten Mittelland bis zu den Voralpen: Klar ist der Igel in weiten Teilen der Schweiz heimisch. Auf den zweiten Blick wirkt der Lebensraum von Erinaceus europaeus jedoch nicht mehr so endlos. Denn passende Unterschlupfmöglichkeiten und genügend Insekten als Hauptnahrungsquelle werden in intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten zunehmend rar. Darum ist das Tier auch vermehrt in den Dörfern und Städten anzutreffen. Im urbanen Raum allerdings macht ihm wiederum das verdichtete Bauen zunehmend zu schaffen. Zudem legt der Igel auf nächtlichen Streifzügen teils kilometerweite Distanzen zurück. Strassen, Kellertreppen, Pools oder Lichtschächte werden da schnell einmal zur Falle, von den Mährobotern in den Gärten ganz zu schweigen. Dagegen schützen dann auch die 8000 Stacheln nicht, die ein erwachsener Igel trägt.

Die Jungen sind anfangs blind und taub. © Daniel Heuclin

Rückzugsraum schaffen

Tierschutzorganisationen wie Pro Natura rufen deshalb dazu auf, urbane Grünflächen igelfreundlicher zu gestalten. Einfach umzusetzen ist zu Hause natürlich der klassische Laubhaufen, der an einem trockenen, windgeschützten Ort im Garten liegen sollte. Mit Zweigen kann dieser zusätzlich vor Wind geschützt werden. Aber auch ein Holzstoss, ein Bretterhaufen oder ein zugänglicher Hohlraum unter einem Gartenhäuschen bieten dem Tier Rückzugsräume. In Sachen Nahrung ist dagegen ein Naturgarten mit grosser Artenvielfalt von der Schmetterlingsraupe bis zum Laufkäfer hilfreich. Viele Obstbäume helfen dem Igel dagegen nur indirekt: Als Fleischfresser kann er pflanzliche Nahrung nicht gut verdauen und beisst höchstens in den reifen Apfel, um nach Würmern und Maden zu suchen.

Die Zeit des «Igel-Karussells»

Den Sommer nutzt das Tier des Jahres also einerseits für die ausgiebige Nahrungssuche. Denn so ein halbes Kilo sollte ein Exemplar bis im Herbst schon auf die Waage bringen, um gut durch den Winter zu kommen (der wird dann im gut isolierten Nest aus Laub und Reisig verschlafen). Andererseits dauert die Paarungszeit der Igel bis Ende August. Gerade die Männchen sind dieser Tage besonders aktiv und weiten ihre Streifzüge aus. Finden sie eine Auserwählte, wird diese teils stundenlang umkreist – dies ist das sogenannte «Igel- Karussell». Zeigt sich das Weibchen schliesslich zugeneigt, bringt es nach der Paarung und einer nur einmonatigen Tragezeit bis zu fünf Junge zur Welt. Ebenso zügig geht es bei der Aufzucht des Nachwuchses weiter: Bereits nach sechs Wochen sind die Kleinen selbstständig und wissen, wie der nächste Chitinpanzer zu knacken ist.

Tipps für den Igelschutz

  • Gesunde Igel sollte man nicht unnötig stören und so wenig wie möglich zufüttern (z.B. im Spätherbst und Winter).
  • Magere, apathische oder hustende Tiere mit eingefallenen Augen sind oft auch tagsüber anzutreffen. Solche wahrscheinlich kranken Exemplare sollten der Igelstation oder dem Tierarzt gemeldet werden.
  • Einheimische Gewächse von der Hecke bis zum Blumenbeet stärken die Biodiversität und damit den Igel.
  • In heissen, trockenen Sommern können Igel-Tränken, Teiche oder künstliche Bachläufe helfen.
  • Durchgänge und Korridore mit Sichtschutz erleichtern Igeln den Zugang zum Garten.