Hauptgewinn im Seitental
Runter zum Fluss, rauf zur Alp: Das Bike-Angebot im Val d’Hérens sorgt gleich in fünf Gemeinden für bewegende Stunden auf dem Sattel.

Runter zum Fluss, rauf zur Alp: Das Bike-Angebot im Val d’Hérens sorgt gleich in fünf Gemeinden für bewegende Stunden auf dem Sattel.

Über 330 Kilometer markierte Wege, viele fahrradfreundliche Betriebe, die blühende Zentralwalliser Natur und authentische Bergdörfer: Wer südlich von Sion auf zwei Rädern das ursprüngliche Seitental der Rhone erkundet, findet ein überraschend abwechslungsreiches Streckennetz vor. Denn die fünf Taldestinationen Hérémence, Saint-Martin, Evolène, Nax und Thyon haben zusammengespannt und ein neues, einheitliches Mountainbike-Angebot für jeden Schwierigkeitsgrad entwickelt. Familien kommen darum ebenso in die Gänge wie ambitionierte FahrerInnen, die alpine Routen schätzen. Gleich mehrere Ortschaften kennenzulernen, fällt mit der zugehörigen «Tour du Val d’Hérens» nicht schwer: Diese Route verbindet die Gemeinden in mehreren Etappen, wobei sich alpine Natur und traditionelle Bergkultur am Wegesrand abwechseln. Auch die berühmte «Grand Raid»-Rennstrecke führt durch weite Teile der Destination. Doch auch die einzelnen Ortschaften haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz, sodass sich das Verweilen ebenso lohnt wie das Lospedalen.

Schroff mögen die Gebirgsflanken des Val d’Hérémence wirken, das gleichnamige Dorf mit seinen alten Chalets und der modernen katholischen Pfarrkirche ist dennoch ein ausgezeichneter Startpunkt für BikerInnen. Im mittleren Schwierigkeitsbereich liegt beispielsweise die 16 Kilometer lange Strecke hinauf zur Mandelon-Alp. Dafür peilen Zweiradfans erst einmal die idyllischen Weiler Mâche und Riod an, bevor sie den Planie-Trail nach Mayen des Plans nehmen. Ab da schlängeln sich die Serpentinen des Feldwegs weiter zum Ziel hinauf. 970 Höhenmeter sind am Ende überwunden; ein Kiosk und Gästehäuser sorgen nach dreieinhalb Stunden für Erholung und neue Energie.
Weniger als halb so lange brauchen FahrerInnen dagegen für die Familien-Radtour durch Hérémence: Der Rundkurs erschliesst weitere Weiler wie Cerise und Prolin und bietet damit jede Menge Postkartenmotive zwischen 1200 und 1445 m ü. M. Auch Mâche ist wiederum einen Zwischenstopp wert, sei es wegen des architektonischen Lehrpfads vor Ort oder wegen der Walliser Platte auf der Terrasse des Café-Restaurants Les Aiguilles Rouges.

Ganze neun Weiler gehören zur Gemeinde Saint-Marin, umgeben von Wäldern, Alpweiden, Hochgebirge und den warmen Quellen von Combioula. Da bietet sich ein Bike-Ausflug an, um alle Facetten der Ortschaft kennenzulernen. Wer es noch einmal gemütlich angehen lassen will, peilt als erstes die Schleife um Saint-Martin an: In gemächlichem Tempo lassen sich auf dieser fünfeinhalb Kilometer langen Route die typischen Häuser und die grünen Frühlingslandschaften des Tals erkunden. Mit nur 250 Metern ist der Höhenunterschied zudem mässig, was die Strecke perfekt für eine familiäre Fahrt macht.
Mittelschwer präsentiert sich derweil die «Tour des alpages». Dafür starten BikerInnen beim Tourismusbüro Saint-Martin, um dann den Aufstieg zur Eison-Alp unter die Räder zu nehmen. Via Grange-Neuvet und Prarion erreicht man schliesslich, die Raststätte L’A Vieille auf fast 2400 m ü. M., bevor eine Traverse am Hang zur Loveignoz-Alp mit ihrer Sicht auf den «La Maya»-Gipfel führt. Den Schlusspunkt bildet die Abfahrt via Suen zum Ausgangspunkt. Auf den gut 24 Kilometern der Tour werden insgesamt um die 1190 Höhenmeter überwunden, was einem doch einiges an Kondition abverlangt – wer über weniger Ausdauer verfügt, nimmt für diese Strecke einfach das E-Bike.

Zwischen dem oberen Teil von Val d’Hérens und der italienischen Grenze erstrecken sich die alpinen Gefilde der Region Evolène. Unter der 4357 Meter hohen Dent Blanche finden BikerInnen ein ebenso erhebendes Streckennetz. Freunde der knackigen Aufstiege begeben sich hier auf die Spuren der «Grand Raid»-AthletInnen Richtung Pas de Lona – der Passhöhe zum Val d’Anniviers. Los geht’s dafür erst einmal im Dorf Evolène: Nach den ersten Etappenzielen Volovron und Eison windet sich der Weg steil hinauf bis auf 2787 m ü. M. Nach dem schwierigen Teil werden sportliche Gemüter danach mit einer Talfahrt belohnt. Entweder schlägt man dafür denselben Weg zurück ein, alternativ können sich Neugierige aber auch Richtung Grimentz wenden.
Deutlich einfacher und kürzer ist dagegen die Tour von Evolène nach La Guille, folgt sie doch am Talboden dem Ufer der Borgne. Die Fahrt beginnt mit Passagen auf schönen, ebenen Schotterwegen, wobei sich mit windgeschützten Picknickplätzen und den Läden von Les Haudères immer wieder Möglichkeiten zum Rasten bieten. Nach einem letzten Anstieg endet der Ausflug an einem kleinen Teich, wo mit der Pension du Lac Bleu auch gleich eine Übernachtungsmöglichkeit wartet.

Mit Nax und Thyon gibt es zwei weitere Destinationen, die sich bestens für eine Auszeit auf dem Sattel eignen. So können BikerInnen zum Beispiel von Les Collons aus zum Staudamm Grande Dixence fahren – der Jahrhundertbau ist die leistungsstärkste Wasserkraftanlage der Schweiz und lässt sich auf geführten Touren besichtigen. Oder wie wäre es mit der Radtour durch Essertse? Für die gut 20 Kilometer durch die Alpenlandschaft werden knapp drei Stunden benötigt. Auch die Strecke Nax–Chiesso–Prarion sorgt immer wieder für Hingucker und Gelegenheiten für einen Zwischenstopp: Dazu gehören etwa ein altes Sägewerk von 1923, das sorgfältig restauriert wurde, das Kulturangebot im Theater «Balcon du Ciel» oder der lauschige Picknickplatz von Mont-Noble am Waldrand. Denn wie überall im Val d’Hérens gilt auch hier immer noch: Losfahren ist schön, ankommen im Walliser Alpenraum aber nicht minder.
