Nachtwächter und Schwärmer

Das kulturelle Angebot der Hauptstadt des Kantons Waadt kann sich locker mit jenem europäischer Grossstädte messen. Lausanne eignet sich in vielerlei Hinsicht für einen unvergesslichen Weekend­-Trip.

Barcelona, Paris, Rom und London – alles schon entdeckt? Während wir oft und gerne in die Ferne schweifen, geht zuweilen vergessen, dass auch in der Schweiz Perlen locken, die für einen unvergesslichen Weekend­Trip geeigneter nicht sein könnten. Städte mit internationalem Flair, die quasi um die Ecke liegen. Gerade jetzt besinnen sich viele Reisende wieder auf die Schätze im eigenen Land.

Eine der unzweifelhaft schönsten Städte des Landes ist Lausanne. Die Olympische Hauptstadt besitzt zahlreiche Reize: ein Kulturangebot, das sich mit jenem europäischer Gross-städte messen kann, jährlich stattfindende, internationale Sport-­Grossveranstaltungen, eine grosse Auswahl an Restaurants, ein über die Grenzen hinaus bekanntes Nachtleben sowie eine schlicht atemberaubende, natürliche Umgebung.

© Catherine Gailloud

Die Hauptstadt des Kantons Waadt ist mit 140’000 Einwohnern überschaubar gross und bietet dennoch ein Potpourri an Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Mit ihrer Hanglage oberhalb des Genfersees und gegenüber der Alpenkette bietet die Stadt Lausanne Spaziergängern eine ganze Reihe herrlicher Rundblicke. Ein wahrlich atemberaubender Ausblick ist beispielsweise auf dem Sauvabelin­-Turm zu geniessen. Auf 35 Metern bietet der Turm einen Panoramablick auf Lausanne und Umgebung, den Genfersee und die drei geografischen Hauptregionen der Schweiz: Alpen, Jura und Mittelland.

Die mittelalterliche Stadt entstand rund um den Cité­Hügel, der durch die beiden Flüsse Flon und Louve geformt wurde. Die gepflasterten Gässchen sowie die Bauwerke in der Cité, die Kathedrale, das Schloss St­Maire und die Alte Akademie zeugen von dieser Zeit. Auf der Nordseite des Hügels – an der Place du Tunnel, an der Avenue CésarRoux und an der Place de l’Ours – laden originelle Geschäfte Besucher zu vielfältigen Entdeckungen ein. Im Herzen der Cité ragt die Lausanner Kathedrale majestätisch über der Stadt auf. Alljährlich besuchen über 400’000 Gäste die Kathedrale, die als eines der schönsten gotischen Kulturdenkmäler in Europa gilt.

DER RUF DES NACHTWÄCHTERS

Eine über 600 Jahre alte Tradition wird noch heute am Leben erhalten: Der Nachtwächter der Kathedrale ist eine Lausanner Institution par excellence. Wer in Lausanne zu nächtlicher Stunde unterwegs ist, staunt nicht schlecht, wenn pünktlich um 22 Uhr die Worte «C’est le guet, il a sonné dix» die Stille durchbrechen. Die Stadt unterhält seit 1405 ununterbrochen einen Nachtwächter auf dem Turm der über der Stadt thronenden Kathedrale. Zwischen 22 Uhr und 2 Uhr schreit der Nachtwächter Renato Häusler (le guet) stündlich die Uhrzeit in alle vier Himmelsrichtungen. Im März und April 2020 wurde übrigens die Glocke zu ihrem ursprünglichen Zweck verwendet – um die Einwohner vor Katastrophen und Bränden zu warnen. Denn der Nachtwächter läutete dieses Jahr die Glocke «La Clémence», um der Bevölkerung Solidarität und Mut in Zeiten der Corona­ Pandemie zuzusprechen.

EIN PULSIERENDES NACHTLEBEN

Doch wer glaubt, Lausanne sei verstaubt und im Mittelalter stecken geblieben, der irrt gewaltig. So ist der Flon, früher ein Güterbahnhof und Warenumschlagplatz, heute ein trendiges Ausgangsziel mit Industrie­Chic für Junge in der ganzen Westschweiz. Es wird primär kulturell genutzt und einige der bekanntesten Clubs und zahlreiche Bars finden sich in der ehemaligen Industriezone. Das Lausanner Nacht leben ist denn auch über die Grenzen hinaus bekannt. Wer also Lausanne in all seinen Facetten entdecken und erleben will, der sollte hier­ für mindestens ein ganzes Wochenende investieren.

© Vincent Jendly / Quartier du Flon, “Pépinières”

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