«Lauter Brunnen, nichts als Brunnen…» sollen die ersten Besucher des Lauterbrunnentals gerufen haben. Ob so tatsächlich der Talname entstanden ist? Glaubhafter ist, dass dieser von den vielen klaren Quellen, den «lauteren Brunnen», herrührt. Und davon gibt es im Lauterbrunnental mehr als genug. Ob es tatsächlich 72 Wasserfälle sind, wie man überall liest, sei dahingestellt. Jedenfalls stürzen sehr viele von ihnen über die Felswände. Schon allein die gemütliche Talwanderung von Lauterbrunnen nach Stechelberg erschliesst den Spaziergängern spektakuläre Wasserwunder: Mürrenfall, Trümmelbachfälle, Staubbachfall.

Letztgenannter inspirierte Johann Wolfgang von Goethe zum «Gesang der Geister über den Wassern». 1779 besuchte er während seiner Schweizer Reise das damals noch wenig bekannte Bergtal. Drei Stunden dauerte die Fahrt in offenen Reisefuhrwerken von Interlaken bis nach Lauterbrunnen. «Es ist ein sehr erhabener Gegenstand», kommentierte der frühe Reisende bei Ankunft das Naturschauspiel, und schrieb dann seine berühmten Zeilen, denn «es lässt sich kein Bild vom Staubbach machen». Landschaftsmaler wie Caspar Wolf, Alexandre Calame und Joseph Anton Koch sahen das anders: dank ihnen wurde das Lauterbrunnental zum Inbegriff der Alpenromantik. Romantisch ist es dort auch heute noch.

Europa- und gar weltweit einzigartig: die Trümmelbachfälle. © Jochen Ihle

Spektakulärer Staubbachfall

Am eindrücklichsten zeigt sich der Staubbachfall am frühen Morgen, wenn im ersten Sonnenlicht die Wasser über die Felswände stürzen. Die aufstiebenden Wassertropfen scheinen dabei in der Luft zu tanzen. Wer nah ran möchte, kann über einen Zickzackweg auf den Hügel unterhalb des Wasserfalls steigen. Von dort führt ein Tunnel zu einer aus den Felsen gesprengten Galerie mit hübschem Blick über das Tal.

Die gewaltigsten Wasserfälle des Lauterbrunnentals verstecken sich jedoch im Berginnern. Treppen, Tunnels, Galerien und ein Lift erschliessen die Wunderwelt der Trümmelbachfälle. Mit ungeheuerlicher Wucht krachen hier unvorstellbare Wassermassen in dunkle Felsenschlünde. Der Trümmelbach entwässert quasi im Alleingang die Gletscherwände von Eiger, Mönch und Jungfrau – ein ohrenbetäubendes Spektakel.