Es gibt sie noch, die Momente, in denen Kinder ihre kunterbunten Klötzchen gerne weglegen, um zu kraxeln. Man muss sie nur sanft auf die richtige Fährte bugsieren – und die führt in diesem Fall über Wurzeln, Steige und Almen: Der Leutascher Familienwanderweg im Tiroler Gaistal ist mehr als nur eine einfache Tour – er ist eine dreitägige Entdeckungsreise für Menschen auf kleinen und grösseren Sohlen, gespickt mit Alpenromantik, Abenteuern und Kaspressknödeln.

Kneipp, Käfer, Kraxelei

Hat Mama das Picknickbrot dabei? Wo ist der Feldstecher? Und sind Söhnchens Schnürsenkel fest genug gebunden? Sind diese Fragen geklärt, kann es beim Startpunkt Salzbach losgehen. Aber bevor die Rucksäcke oder Rabauken geschultert werden, lockt eine Erfrischung bis zum kleinen Zeh im eiskalten Wasser der Naturkneippanlage. Lange, bevor die Kinderlein das Licht der Welt erblickt haben, entwickelte der Pfarrer, Naturheilpraktiker und Hydrotherapeut Sebastian Anton Kneipp die wohltuende Kaltwasserkur. Die Kneippgänge regen unter anderem die Durchblutung an und wecken die Lebensgeister – das kommt wie gerufen, denn der bevorstehende Aufstieg zur Wettersteinhütte mit 550 Höhenmetern kitzelt die Wadenmuskulatur.

Das Zwicken ist aber schnell vergessen zwischen rauschender Leutascher Ache, flatternden Schmetterlingen und dem Wurzelsteig, wo verschiedenste Pflanzen spriessen und zu inspizierende Insekten schwirren. Immer noch rätselnd, was aus der Raupe wohl dereinst schlüpft, kommen die Wandernden schon bei der Wettersteinhütte an. An Sonnenlage versorgen Beate und Hans die Gäste mit uriger Tiroler Hausmannskost, wobei man beim Panoramablick auf Leutasch und die umliegende Bergwelt durchaus mal minutenlang das Kauen aussetzt. Wenn die letzten Sonnenstrahlen hinter den Gipfeln abtauchen, kuscheln sich satte Seelen ein – gerade die urgemütliche «Kuschelhütte» eignet sich für Familien.

Hurra, ein Hinkelstein!

Ausgeschlafen und gestärkt vom Hüttenfrühstück auf der Sonnenterrasse startet man in den zweiten Tag, der sich gut mit einem Extra-Marmeladenbrot und einem Scheibchen Wurst mehr verträgt: Die zweite, fünf Kilometer lange Etappe durch das Scharnitztal zum «Südwandsteig », wo sich die kalkweissen Flanken der Dreitorspitze ausbreiten, ist deutlich sanfter und somit weniger schweisstreibend als die erste.

Auf der alpinen Flaniermeile finden Familien freudvolle Fernsicht auf das Wettersteingebirge. Bis das stille Staunen mit einem «Papi, guck mal da!»-Ruf endet: Wie flinke Gämsen erklimmen die Kleinen sogleich die Hinkelsteine am Hermann-Buhl-Klettergarten, die wirken, als hätte sie Obelix höchstpersönlich hie abgestellt. Mit noch lausbübischerem Lachen und staubigen Knien setzen Kinder und Erwachsene den Pfad über ein sanftes Auf und Ab fort. Wer über sich Kraftreserven und kichernden Knirpsen erfreut, setzt zum Abstecher zum Rossberg-Gipfel an, der die «Extrameile» mit einem 360-Grad-Rundumblick belohnt. Danach folgt ein Happy-end mit Schaukel: Die Rotmoosalm auf 2030 Metern, die höchstgelegene Hütte im Wetterstein, empfängt Wandernde mit Spielplatz, Streicheltieren und einer Speisekarte, die selbst mäkelige Gaumen milde stimmt. Der Almbetrieb, den Familie Neuner seit über 30 Jahren bewirtschaftet, ist gerade unter Einheimischen beliebt, manche sprechen von «einem der schönsten Plätze der Region». Nach Bergluft, Blöken und frischgezapftem Bier beginnt die behagliche Bettzeit.

Abwärts mit Appetit

Es ist gut möglich, dass der letzte Wandertag mit einem allseitigen Seufzer beginnt. Nicht etwa wegen gestörtem Schlaf, sondern wegen ein wenig Wehmut, dass die dritte bereits die letzte Etappe der Weitwanderung ist. «Tschüss, Schäfchen!», ein Blick zurück – und auf geht es über den Schäfersteig – über Wiesen, deren Grashalme im Wind wiegen, als würden sie den Wandernden zum Abschied winken. Tritt für Tritt geht es talwärts … aber hallo! Hier ist bereits die Hämmermoosalm, gemäss «Gault & Millau» die «Almhütte des Jahres 2025». Während die Eltern die Kaspressknödel schwelgerisch mit halb geschlossenen Augen verdauen, tun die Kids dies beim Versteckspiel zwischen den käsegelben Sonnenschirmen. Ohne Schirm, aber immer noch mit Sonne geht es danach zurück über die letzten Kilometer, wahlweise über die Forststrasse oder den Wanderweg, zum Ausgangspunkt. Vor der Abfahrt lockt aber erneut die Ache: Die Weitwanderung endet mit Füssen im frischen Flusswasser und Gedanken, noch tief im Gebirge.

Der schleichende Salamander bei Etappe 1, die Rutsche auf der Rotmoosalm bei Etappe 2 und der Sterne-Schmarrn bei Etappe 3 – man presst die Erinnerung in das Gedächtnis wie die gesammelten Blüten zwischen zwei Buchdeckel.

Weitere Familientipps

Tierische Erlebnisse: In der Region Seefeld begegnet man Kühen, Rehen und anderen Wildtieren nicht nur auf Wanderungen, sondern auch im Naturpark Karwendel. Auf dem Bienenlehrpfad, dem Klimaweg und im interaktiven Infozentrum lernen Kinder spielerisch, wie spannend und wertvoll Natur ist.

Schöne Spielplätze: Auf Tirols Hochplateau wird die Natur zum Abenteuerland. Wenn kleine Bergsteiger mal Pause machen, warten Erlebnisspielplätze wie der Bergbau-Spielplatz an der Rosshütte, der Waldspielplatz beim Möserer See oder der Natur-Spielplatz in Scharnitz – zum Klettern, Toben und Entdecken mitten im Grünen.

Kindertaugliche Bike-Strecken: Auf vielen breiten und komfortablen Radwegen lässt sich die weitläufige Region Seefeld auch problemlos mit Laufrad, Kinderanhänger oder Kinderfahrrad erkunden. Ob gemütlich durch das Karwendel von Scharnitz aus, entlang der Leutascher Ache oder ins Almenparadies Gaistal: Hier rollen Familien entspannt durchs Grüne. Am Katzenkopf wartet sogar ein Bikepark für kleine Adrenalinfans. Und wer leichter reisen will, leiht sich einfach das passende Equipment vor Ort.

www.seefeld.com