Eintauchen in die Kulturmetropole

Die Stadt St.Gallen mit dem zum Weltkulturerbe erkürten Stiftsbezirk ist ein Tipp für Städtereisefans. Anlässlich des 50. Jahrestags der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in der Schweiz präsentiert das Textilmuseum zudem eine ganz besondere Ausstellung.

In St. Gallen lässt es sich hervorragend ein paar Tage gemütlich verweilen. Touristenmagnet und Ausflugsziel ist natürlich die 1758 errichtete Stiftsbibliothek, die zu den schönsten historischen Büchersälen der Welt zählt. Der Bestand der heute noch aktiven Bibliothek beträgt rund 170’000 Bücher. Besondere Sehenswürdigkeiten sind der über zwei Meter hohe Globus aus dem 16. Jahrhundert sowie die ägyptische Mumie der Schepenese, die sich seit 1836 zusammen mit ihren Sarkophagen im Eigentum der Bibliothek befindet.

Innovative Haute Couture
Die Ostschweiz ist zudem international bekannt für ihre textile Tradition und ihr ausgeprägtes Know-How in dieser Branche. Die St. Galler Stickerei war zu Beginn des 19. Jahrhunderts denn auch das wichtigste Exportprodukt der Schweiz. Heute, über zweihundert Jahre später, hat sich St. Gallen von der Textilproduktion verabschiedet und widmet sich stattdessen innovativer Haute Couture. Bevor sie von Prominenten wie Madonna oder Michelle Obama ins Scheinwerferlicht katapultiert werden, bekommen die Besucher die Stoffkreationen exklusiv im Textilmuseum zu sehen.

«Robes Politiques»
Anlässlich des 50. Jahrestags der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in der Schweiz präsentiert das Textilmuseum nun Kostüme und Accessoires, die weiblichen Machtanspruch und weibliche Machtrepräsentation im Wandel von Gesellschaft, Politik und Mode versinnbildlichen. Einen Fokus legt die Ausstellung «Robes politiques» auf die öffentliche Wahrnehmung bedeutender Frauen, deren Erscheinen auf der politischen Bühne damals wie heute nicht nur mit Beifall, sondern vielfach auch mit (Stil-)Kritik bedacht wurde und wird. Fünfzig textile Objekte, ergänzt um Bilder, Fotografien und Videos, verdeutlichen das Spannungsfeld zwischen Weiblichkeit und Machtposition. Die Ausstellung «Robes politiques – Frauen Macht Mode» bis am 6. Februar 2022 zu sehen.

Kulinarische Höhenflüge
In der Gallusstadt gibt es viele schmucke Cafés zum Einkehren, und man kann in der Altstadt auf kulinarische Erkundungstour gehen. Denn die Stadt ist längst bekannt für ihre Spezialitäten – und die historischen 1-Stock-Beizen sind jederzeit eine Pause wert. Dies sind urchige, kleine Restaurants im ersten Stock historischer Gebäude. Und an tollen Restaurants mangelt es in der Gallusstadt wahrlich nicht; beispielsweise in einem der ehrwürdigsten und ältesten Gebäude der Stadt – der Wirtschaft zur Alten Post. Serviert werden hier beste Produkte, überwiegend traditionelle Spezialitäten, jedoch immer wieder neu und überraschend interpretiert. Auch das «Schlössli» in einem Haus aus dem Jahre 1586 ist eine Institution: Der charismatische Wirt Ambros Wirth setzt auf frische und regionale Zutaten von handverlesenen Lieferanten. Und sein Team bereitet Spezialitäten zu, die fast schon vergessen gegangen sind. Für Besucher der Ostschweizer Metropole ist es zudem ein Muss, einen Bissen von den patentierten St. Galler Würsten zu probieren. Serviert werden sie überall – ob in einem der acht Gault-Millau-Lokale in der Stadt oder am Wurststand an der Ecke. Aber bitte ohne Senf geniessen, ansonsten rümpft jeder Einheimische umgehend die Nase. Dazu wird natürlich auch gerne ein Bier getrunken. Schliesslich hat die Bierkultur in St. Gallen Tradition.

Altstadt St.Gallen (c) Mattias Nutt
Altstadt St.Gallen (c) Mattias Nutt

Durstlöscher erster Güte
Denn der berühmte St. Galler Klosterplan beinhaltet nicht weniger als drei Brauhäuser. Dieser Plan diente als Vorlage für den Bau des Gallusklosters (siehe Artikel Seite 26). Und wer Lust auf ein feines Bier hat, sollte eines aus der stadteigenen Brauerei «Schützengarten» versuchen. Diese wurde 1779 auf dem Gelände der «Schützengesellschaft vor dem Platztor» gegründet. Heute löscht die inzwischen älteste Schweizer Brauerei den Durst von etlichen Menschen mit den wohlbehüteten Rezepturen des «St. Galler Landbiers» und des «St. Galler Klosterbräus». Und dieses wurde 2017 in London übrigens als bestes Amberbier der Welt ausgezeichnet.

Vielfältige Ausflugsziele
Doch wer so gut schlemmt, der sollte sich auch bewegen. Deshalb lohnt sich am nächsten Tag eine Wanderung im Naherholungsgebiet Drei Weihern, oberhalb des Stadtzentrums von St. Gallen im Quartier St. Georgen. Das St. Galler Idyll befindet sich am Nordhang des Freundenbergs und beherbergt insgesamt fünf Weiher, die im 17. Jahrhundert als Wasserreserve für die Stadt künstlich angelegt wurden. Ab wann gebadet wurde, weiss man nicht genau, doch bereits Anfang des 18. Jahrhunderts gab es einen Frauenweier, einen Buebenweier und einen Mannenweier, gestreng der damals geforderten Geschlechtertrennung für Badeanstalten. Wie es sich damals gehörte.

Drei Weieren_c_Daniel Ammann
Drei Weieren_c_Daniel Ammann

www.st.gallen-bodensee.ch

Sacha Gähwiler

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