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Barocke Architektur, wohin man schaut: Das bietet Solothurn. Im August wird die Stadt auch wieder voller barocken Lebens sein. Die zweiten Barocktage Solothurn lassen die Epoche aus dem 18. Jahrhundert wiederauferstehen.

«In Solothurn sieht man noch sehr viel von der barocken Epoche», sagt Andreas Affolter, Leiter des Museums Schloss Waldegg und Präsident des Vereins Barocktage Solothurn. «Hier ist die barocke Epoche noch sehr nah.»

Die barocke Lebensweise habe damals alle Lebensbereiche und damit die ganze Gesellschaft durchdrungen: Die Malerei, die Musik, die Architektur. «Das wollen wir an den Barocktagen Solothurn auch zeigen.» Darum werde am Festival nicht nur barocke Musik aufgeführt, sondern die Kultur breiten Sinne dargestellt – samt Kostümen, Essen, Spielen und vielem mehr.

Beispielsweise war Solothurn ein wichtiger Produktionsort für Kartenspiele. Und so entstehen in einem Workshop Kartenspiele, ganz so, wie sie im 18. Jahrhundert gedruckt wurden. «So geben wir Einblick in das Handwerk der Epoche, denn wir möchten die barocken Praktiken wieder aufleben lassen.»

Es gibt aber auch Führungen durch das gebaute Kulturerbe der Stadt und sogar zum Domschatz. Auf einer Pilgerwanderung werden Orte rund um Solothurn entdeckt, die aus der barocken Zeit stammen, auch wenn sich dem heute viele nicht mehr bewusst sind. Und kulinarische Entdeckungen warten auf Feinschmeckerinnen und Feinschmecker.

Doch nicht nur der Überfluss und der üppige Prunk der barocken Epoche lässt das Festival wieder auferstehen: Es schaut auch kritisch auf diese Zeit und geht auf das Schicksal der einfachen Menschen ein. So geht eine Führung der Frage nach, wer die Gewinner und wer die Verlierer des Solddiensts waren, und auch das bäuerliche Leben im Ancien Régime wird thematisiert.

(c) Barocktage Solothurn

Nicht fehlen dürfen natürlich die passenden Kleider. In einem Nähatelier sind Interessierte daran, ihre eigenen Kostüme zu nähen – damit sie an den Barocktagen passend gekleidet durch Solothurn spazieren können. «Wir versuchen dabei, so authentisch wie möglich zu sein», sagt Andreas Affolter. Der Verein gibt Schnittmuster ab; wichtig ist, dass die Stoffe natürlich sind, also aus Baumwolle, Leinen und Seide. «Nicht alle schneidern sich Patrizierkleider, es entstehen auch Kostüme für einfache Leute.»

(c) Barocktage Solothurn

INTERVIEW
«Weltlich und sinnesfreudig»
Andreas Affolter ist Präsident des Vereins «Barocktage Solothurn», die diesen Sommer zum zweiten Mal stattfinden.

Sie haben die Barocktage Solothurn 2021 erstmals lanciert, als andere ihre Events wegen der Pandemie absagten. Wieso das?

Wir haben uns lange überlegt, ob wir es wagen. Alle Anlässe wären auch mit Corona-Massnahmen durchführbar gewesen; wir haben bewusst auf grosse Events verzichtet und die Tickets im Voraus verkauft. Und wir haben darauf gehofft, dass im Sommer die Fallzahlen erneut sinken.

Das ist ja dann auch so eingetroffen.

Ja, wir konnten alles wie geplant durchführen. Es hat sich also gelohnt, das Risiko einzugehen. Wobei es ein kalkuliertes Risiko war.

Was fasziniert Sie an der barocken Lebensweise?

Ich muss vorausschicken, dass ich froh bin, nicht in dieser Epoche zu leben. Aber mich fasziniert die barocke Einstellung: Sie war extrem weltlich,
sinnesfreudig, auf Musse und Genuss ausgerichtet, nach dem Motto «Carpe diem». Gleichzeitig war da immer das Bewusstsein, dass alles schnell vorüber sein kann. Das «Memento mori», das Bewusstsein um die eigene Vergänglichkeit, spielte immer auch eine Rolle.

Warum hätten Sie nicht in dieser Zeit leben wollen?

Es gab grosse rechtliche und soziale Ungleichheiten, gerade auch in der Eidgenossenschaft. Die Untertanen hatten keine politischen Rechte; die Macht lag bei wenigen Familien. Es gab Hunger, die Kindersterblichkeit war gross, und der allgemeine Lebenskomfort war bescheiden.

Was ist Ihr persönliches Highlight an den diesjährigen Barocktagen?

Der Ball im historischen Hotel La Couronne, mit barocken Kleidern und Livemusik. Eine Tanzgruppe tanzt vor und leitet auch die Gäste zum Tanzen an. Da wird die barocke Zeit wieder aufleben.

Ihr Kleid ist in dem Fall bereits parat?

Ja, das habe ich seit letztem Jahr. Es war eine neue Erfahrung, sich so zu kleiden. Die Leute haben Freude, wenn sie einem so sehen, und sprechen einen an.

 

Andreas Affolter (c) zvg

Das Festival will noch wachsen
Der Begriff «Barock» bezeichnet einen Stil, der sich in der Zeit von 1650 bis etwa 1760 in der Kunst, in der Literatur, aber auch in der Musik durchgesetzt hat, und diese Zeit wesentlich prägte. Diese Epoche der europäischen Kunstgeschichte war sehr gefühlsbetont; die Kunst entsprechend ausdrucksvoll und bewegt. Gerade die Architektur und Innendekoration ist sehr üppig. Könige und Fürsten zeigten ihre Macht mit prachtvollen Bauten. Viele prunkvolle Schlösser, mit dazugehörenden grosszügig angelegten Gartenanlagen, wurden gebaut. Davon zeugen rund um Solothurn heute noch zahlreiche Sommerschlösser – am schönsten wohl das Schloss Waldegg in Feldbrunnen, das von weit her sichtbar und heute ein Museum ist.

Andreas Affolter ist Leiter des Museums Schloss Waldegg und präsidiert den Verein Barocktage Solothurn. Zusammen mit Erich Weber vom Museum Blumenstein und Franziska Weber vom Museum Altes Zeughaus in Solothurn hat er die Barocktage ins Leben gerufen. «Viele kulturelle Institutionen in Solothurn unterstützen uns», sagt Affolter. Der Verein selber organisiert beispielsweise den Ball; die meisten anderen Veranstaltungen werden von verschiedenen Institutionen angeboten. «Unsere Struktur ist daher sehr schlank.» Trotzdem überlegt sich der Verein, eine Geschäftsstelle einzurichten, welche die Koordination und Planung leitet. Denn eines ist klar: Die Barocktage Solothurn finden auch in den nächsten Jahren statt – mit immer neuen Angeboten.

Schloss Waldegg (c) Barocktage Solothurn

DAS PROGRAMM
Bereits zum zweiten Mal organisiert der Verein «Barocktage Solothurn» das gleichnamige Festival. Vom 13. bis 21. August leben in der Ambassadorenstadt vergangene Zeiten wieder auf. Die Billetts für die meisten Veranstaltungen – einige davon auch auf Französisch – sind auf der Internetseite der Barocktage oder an der Kasse des Museums Altes Zeughaus erhältlich. Auch für die Gratisveranstaltungen empfiehlt es sich, ein Ticket für 0 Franken zu erwerben; so ist ein fester Platz an der Veranstaltung garantiert.

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