Erholungsgebiet Wald: Ein Gespräch mit dem Revierförster

Für Revierförster Peter Piller aus Rüschegg hat der Wald eine ganz besondere Bedeutung – auch als Erholungs- und Freizeitraum für alle. Allerdings gelten in der „Destination Wald“ auch besondere Verhaltensregeln.

belvedere: Anfänglich war es die Angst vor terroristischen Anschlägen, jetzt ist es die Corona-Krise: Ferien im eigenen Land sind heute ein Thema. Damit wird der einheimische Wald immer wichtiger in der Freizeitgestaltung und als touristisches Verkaufsargument für Schweizerinnen und Schweizer. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Peter Piller: Es ist sehr positiv, wenn die Bevölkerung mehr in den Wald geht um sich zu erholen und zu entspannen. Damit wächst hoffentlich auch das Verständnis für das wichtige Ökosystem und für die heimische Forstwirtschaft – und ich erhoffe mir, dass auch das Interesse an unserer Tätigkeit steigt. Allerdings gelten im Wald gewisse Verhaltensregeln, an die man sich halten sollte. Der „Wald-Knigge“ empfiehlt zehn Tipps für einen respektvollen Waldbesuch. (Anm. der Redaktion: siehe Web-Adresse unten).

Besteht nicht die Gefahr, dass das empfindliche Ökosystem Wald unter zu grossen Spaziergänger-Strömen leiden könnte?

Wenn die Waldbesucher sich an die Empfehlungen des Wald-Knigges halten, auf den offiziellen Wegen bleiben und die Forstwirtschaft nicht behindern, können entsprechende Probleme vermieden werden.

Wo liegt der Unterschied zwischen einer fernen Feriendestination und der „Destination heimischer Wald“?

Im Gegensatz zu exotischen Ferienzielen, wo die Gäste unter Umständen zuerst mit dem Zeitunterschied und dann mit den klimatischen Verhältnissen zu kämpfen haben, benötigt man im Wald keine Akklimatisationsphase um sich wohlzufühlen. Das gute Gefühl setzt unmittelbar ein, man fühlt sich sehr rasch entspannter und ruhiger, kann die Idylle geniessen und sich der Natur hingeben.

Peter Piller (c) ZVG
Peter Piller, Förster des Forstbetriebs Rüschegg.
Foto: FN / Aldo Ellena, Rüschegg, 14.11.2019

Sind alle Waldgebiete in der Schweiz geeignet für Freizeit- und Ferienerlebnisse?

Aus Sicherheitsgründen eignen sich nicht alle Wälder. Durch die Stürme und die trockenen Sommer der vergangenen Jahre sind Teile der Schweizer Wälder stark geschwächt. Wegen der Gefahren von herunterfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen mussten gewisse Waldflächen gar gesperrt werden. Es ist denn auch untersagt, diese Bereiche zu betreten. Auch gibt es Schutzwälder, die sich wegen möglichem Steinschlag oder Lawinen nicht eignen.

Welche Waldgebiete in der Schweiz sind aus Ihrer Sicht lohnenswerte Ausflugsziele?

Für mich hat jeder Wald etwas Spezielles und Einzigartiges. Ein Ausflug in den Naturpark Gantrisch ist aber für mich immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis.

Welche Bedeutung hat der Wald für Sie ganz persönlich.

Er ist in erster Linie natürlich der Arbeitgeber, da meine Mitarbeiter und ich mit den Waldprodukten den Lohn verdienen. Der Wald ist aber auch Lieferant des nachhaltigen, nachwachsenden und wichtigen Rohstoffes Holz. Ausserdem schützt er uns vor Überschwemmungen, Steinschlägen und Lawinen. Ich möchte es so formulieren: Der Wald ist mein Kind, das ich hege und pflege, er ist Erholungs- und Freizeitplatz, wenn es mir nicht so gut geht – und er ist ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Ich müsste wohl ein Buch schreiben um zusammenzufassen, welche Bedeutung der Wald für mich persönlich hat.

Wald (c) LFI / WSL
Wald (c) LFI / WSL

Haben Sie eine Lieblings-Baumsorte – und warum gerade diese?

Ich mag die Eiche sehr, obwohl wir in unserer Höhenlage nurmehr wenigen Exemplare haben. Die Eiche ist robust, standfest, wurzelt tief, wird sehr alt und bietet einen super Lebensraum für viele Vögel, Insekten und andere Lebewesen.

Stefan Senn

www.afw-ctf.ch/?id=87

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