Digitale Entschleunigung: Einmal offline bitte!

Das Smartphone vibriert, der Laptop ist stets griffbereit und die Hintergrundmusik plätschert munter vor sich hin – wir sind längst eine digitale Gesellschaft. Umso befreiender ist es, eine gewisse Zeit Verzicht zu üben.

Unser Leben wird immer schneller, der Alltag hektischer. Die zunehmend digitale Welt bringt uns zwar näher zusammen, wenn wir räumlich getrennt sind, doch die ständige Erreichbarkeit kann auch überfordern. Bei dem Tempo, mit dem die digitale Revolution die Welt verändert, ist es kein Wunder, dass viele Leute Entschleunigung suchen. Quasi eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den totalen digitalen Rausch.

Allzeit bereit ist ungesund

Tatsächlich kann man sich die Frage stellen, wie gesund es ist, sich morgens vom Smartphone wecken zu lassen und gleich noch kurz im Bett die geschäftlichen Mails zu checken. Entspannt in den Tag zu starten sieht anders aus. Alsdann nehmen wir mit den Pods im Ohr den Weg zur Arbeit in Angriff, hören gleichzeitig News oder werden von Musik berieselt – um die nächsten acht Stunden vor dem Computer zu verbringen, während das Handy allzeit griffbereit auf dem Pult liegt. Wir sind ständig über Telefon, Messenger oder E-Mail erreichbar, Nachrichten erreichen uns dank des Internets in Echtzeit. Sobald eine E-Mail eintrifft, und bestenfalls gar noch mit Piepen oder Pop-up-Fenster auf sich aufmerksam macht, geht der Fokus erst mal verloren. Sowohl im Privat-, wie auch im Geschäftsleben. Wer auf seinem Smartphone die eigene Nutzung analysiert, wird zudem staunen, wie oft wir das Handy aktivieren und welche Apps wir wie oft nutzen.

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Aus dem Ruder gelaufen

Indes hat der digitale Geschwindigkeitsrausch, der so viele Menschen schwindlig macht, längst nicht allen die Sinne vernebelt. Insbesondere während dem ersten Lockdown in der Pandemie begannen viele zu realisieren, mit welchem horrenden Tempo wir bis anhin durch den Alltag gerast sind – und wie wenig achtsam. Nun wurden wir dazu gezwungen innezuhalten. Diese von Aussen auferlegte Selbstreflexion schuf quasi eine neue Nüchternheit: Manch einer begann sich zu fragen, ob die Hektik der digitalen Revolution und die ständige Erreichbarkeit wirklich so erstrebenswert ist. Etwas mehr Achtsamkeit im Alltag scheint da durchaus sinnvoll. Eigentlich erstaunlich: Jeder will ein grösseres Handy und ein noch schnelleres Internet – und dann müssen wir einen Entzug machen, weil das Ganze aus dem Ruder läuft.

Den Stecker ziehen

«Digital detox» ist denn auch eine zunehmend bewusste Entscheidung. Und glücklicherweise gibt es zahlreiche Möglichkeiten, solche kleine Auszeiten zu nehmen und Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Mehr Fokus, mehr Ruhe – Entschleunigung sowohl im Geschäfts-, wie auch im Privatleben. Beim Digital Detox geht es darum, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Mit den Menschen um einen herum zu reden und seine Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Um Achtsamkeit, bei allem was man tut. Tönt vielleicht etwas kitschig, tut aber gut.

Dem Alltagtrott entfliehen

Mittlerweile haben auch viele Unterkünfte diesen Trend erkannt und bieten ihren Gästen eine digitale Auszeit. Denn die ursprüngliche, unberührte Natur der Alpenregion ist natürlich der ideale Ort, um aus dem Alltagstrott zu entfliehen. Viele Betriebe haben weder Fernseher, noch Wifi – sei dies nun mit oder ohne Absicht-, und teilweise wird auch ganz bewusst auf die ständige Musikberieselung im Hintergrund verzichtet. An wunderbarer Lage und in familiärer Atmosphäre entschleunigen und mal wieder richtig durchatmen, während kein Handygeklingel die Ruhe stört – dies ist im 1910 erbauten Hotel Waldrand-Pochtenalp in Kiental im Berner Oberland noch möglich. Das im Chaletstil erbaute Hotel hat nicht einmal Handy-Empfang. Zurück in die Vergangenheit, wie zu Grossmutters Zeiten. Wie im geschichtsträchtigen Hotel Rosenlaui, ebenfalls im Berner Oberland, wo weder Fernsehen, Radio noch Internet vorhanden sind. Stattdessen: Sonne geniessen, die Augen über die phantastische Bergwelt und saftig grüne Wiesen schweifen lassen und den Alltag ganz hinter sich lassen. Der Gebrauch von digitalen Geräten sowie Fotografieren ist in den öffentlich zugänglichen Räumen nicht erlaubt.

Nostalgiehotel (c) Nostalgiehotel
Nostalgiehotel (c) Nostalgiehotel

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Im Appenzellerland verzaubert derweil ein winziges Sennendörfchen seine Gäste – man wähnt sich in einem Heimatfilm des letzten Jahrhunderts. Die Meglisalp auf 1520 Metern über Meer ist eingebettet in die herrliche Bergwelt des Alpsteins, und das gleichnamige Berggasthaus kann nur zu Fuss erreicht werden. Wifi sucht man hier vergebens – das Handy bleibt stumm. Das sympathische Berghaus Niesen bietet währenddessen auf 2340 Metern acht gemütliche Zimmer, ein atemberaubendes Panorama – und null Ablenkung. Auf dem markanten Niesengipfel, der sich wie eine Pyramide am Thunersee erhebt, können sich die Gäste wunderbar vom Alltagsstress erholen. Weit weg von Zivilisation, Reizüberflutung und Lärm.

Ich bin dann mal offline

In einigen Gegenden Südtirols sind die Gäste ganz automatisch offline – dort wo die Netzsignale schwach und WLAN nicht vorhanden sind. Und in manchen Hotels bittet man die Gäste höflich, das Handy auszuschalten – hier warten Digital-Detox-Hotels und -Erlebnisse, die neue Energie für den Alltag schenken. Dies ist im Adler Lodge Alpe auf der idyllischen Seiser Alm Usus; zeitloses Almleben zu jeder Jahreszeit, umgeben von Ruhe und Weite. Auch im Gasthof Kohlern ist digitale Entschleunigung angesagt – das im alpinen Jugendstil erbaute Herrenhaus thront auf einem kleinen Hügel, neben einer kleinen Kapelle und bietet Ruhe pur. Das Designhotel Vigilius Mountain Resort erreicht man gar nur mit der Luftseilbahn. In den Zimmern ist kein Fernseher zu finden. WLAN wird nachts abgeschaltet. Dafür ist es draussen seelenruhig.

vigilius mountain resort © Patricia Parineja (56)
vigilius mountain resort © Patricia Parineja (56)

Natur statt Technik

Den Ausstieg aus der digitalen Welt schafft der gestresste Zeitgenosse bestimmt auch in Slowenien. Kein Strom, keine Technik – nur die ursprüngliche Natur. Zwitschernde Vögel und plätschernde Bäche statt klingelnder Handys, echtes Naturidyll statt leuchtender Bildschirme. Das Soča-Tal wird denn auch von European Best Destinations als Digital-Detox-Destination empfohlen, und dies aus gutem Grund. Denn das Soča-Tal ist das führende Outdoor-Ziel Sloweniens und der smaragdgrüne Fluss lädt zu einer Vielzahl von Wassersportarten ein und ist von zahlreichen Themenwegen gesäumt – ein Postkartenidyll für eine echte Auszeit.

Elisha Nicolas Schuetz

www.madeinbern.com, www.suedtirol.info, www.slovenia.info

 

Elisha Nicolas Schuetz

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